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Grün satt und berührende Blüten

Sinn-volles Schneckentempo:
Kein Aprilscherz: zur Sinneswanderung mit einer kleinen feinen Gruppe am Samstag haben wir in ganzen drei Stunden eine Strecke von nur 3 km zurückgelegt. Das sind 1km/Stunde und es kam uns gar nicht langsam vor. Die Zeit stand still, so sehr waren wir am Staunen. Im Wald: ein Blütenmeer so weit das Auge reicht, mit jedem Schritt ein neuer Blick, Kräuter, essbare junge Baumspitzen, die Schönheit von altem Holz neben jungem Grün...

Genuss im Korb - unsere Fundstücke für die wilde Frühjahrsküche
(siehe auch die neue Rubrik Rezepte):
Bärlauch: jetzt in voller Pracht. Macht Lust auf Pesto, Suppen, Gnocci...
Löwenzahnblätter, die jedes Kaninchenherz höher schlagen lassen würden - und auch meins: ich liebe dessen bitterfrischen Frühlingsgeschmack im Smoothie und im Salat.
Weissdorntriebspitzen: fürs Herz ein bisschen zum Salat dazu.
Giersch: mögen, oder nicht mögen? Fans lieben ihn frisch aufs Butterbrot, oder in Teig getaucht und gebacken.
Veilchenblüten: erst süß, dann leicht scharf im Nachgeschmack, besonders schön mit Zucker kandiert.
Klettlabkraut und Wiesenlabkraut: frisches grünes Frühlingsgemüse mit leichtem Spargelhauch.

Sehen für die Seele:
Schlüsselblumen, Lungenkraut und die Blüten der Lärche hatten es uns am Samstag besonders angetan.
Kennt ihr Lungenkraut? Mein Opa sagte "Hänsel und Gretel" dazu. Blaue und rote Blüten zieren das kleine Pflänzchen.
Vor der Bestäubung ist der PH-Wert der Blüten sauer, danach wechselt dieser auf basisch.
Was nach Chemieunterricht klingt ist in natura ein kleines Wunder: denn wer Lungenkraut sieht, sollte warten: bis Bienen oder Hummeln kommen, die ganz klar nur die roten Blüten anfliegen, eine nach der anderen. Und dann - dauert es ein paar Minuten, die Blüte öffnet sich ganz und wird zuerst dunkelrot, dann blau. Ganz im Moment versunken standen wir da - frei nach dem Motto:

Wer Wunder sieht, kennt keine Zeit.

Einen besonderen Dank an Friederike für die wunderschönen Fotos und an Kirsti für ein besonderes Lied - gesungen im Viaduktbogen.
Lungenkraut / Foto: Friederike Franz
Lungenkraut / Foto: Friederike Franz