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Mohn, überall Mohn!

Hilfe, ich werde von Mohn verfolgt! In meinem Garten blühten heuer (zu deutsch: dieses Jahr) sieben Sorten. Bis auf Goldmohn habe ich keine davon ausgesäht. Sie haben mich gefunden, oder aufgesucht.
Einen Text über Mohn wollte ich noch schreiben, aber "mein Mohn" war zu rasch verblüht. 

Ich fuhr nach Wien. Dort war es wie immer: spannend, schön, aber auch stressig, laut. Ich habe ich mir fast ein Kleid gekauft. Fast, denn ich fand es und mich darin wunderschön. Aber mein Kopf ratterte: gehen andere Sachen nicht vor? Praktisches, Sachen fürs Kind, Dinge für die Arbeit...? Kann ich so etwas überhaupt noch tragen? Im Zug nach Hause traf ich dann die Entscheidung. Nein: es geht nicht, mich immer hintenan zu stellen. Ich brauche schöne Kleider. Einfach so: für mich und um mich zu motivieren, mehr wieder ich zu sein. Und ich bestellte das Kleid nach Haus. Als es da war und ich mich vorm Spiegel drehte, musste ich plötzlich lachen: Denn: es sind Mohnblüten darauf. 
Reise 2: Leipzig. Eigentlich wollte ich mit meiner besten Freundin und den Kindern zelten. Und eigentlich haben wir für solche Aktionen immer einen Akkuschrauber dabei, eine Werkzeugkiste, eine Küchenkiste, eine große Plane, Gummistiefel, Wäscheklammern, Taschenlampe etc. So auch dieses Mal. Doch es waren drei Tage Regenwetter angesagt. Und was haben wir getan: kurzerhand ein Hotel gebucht. Statt durch den Matsch zur Toilette zu stapfen und uns zu ärgern, dass der Badeurlaub ausfällt, machten wir es uns dort alle gemeinsam schön. Ich lümmelte auf dem Hotelbett, der Regen trommelte aufs Fensterbrett. Und ich schaute an die Wand. Dort hing: ein Bild von Rotem Mohn. Was sonst.
Am nächsten Tag gab es in der Nähe des Hotels einen kleinen französischen Markt. Ich war mit zwei der Kinder unterwegs. Es gab Macarons! Selbst gebacken - in allen Farben des Regenbogens. Eine Mutter zog ihre Kinder vorbei: "Die sind zu teuer!". Ich kaufte uns drei. Denn manche Gelegenheiten kommen nie wieder und was sind sechs Euro zwanzig als Gegenwert für zwei glücksstrahlende Kinderaugenpaare, eine französische Bäckerin im Regen, die sich über Kundschaft freut und eine Mama, die lachend sagt: "Ich nehme Klatschmohn!" Ganz selbstverständlich.
Jetzt war er angekommen, der Mohn. Vergängliche Freude. Spontanität. Weiblichkeit. Schönheit. Zu sich stehen. Den Moment genießen.

Drei Wochen später: Nach all meinen Städtereisen bin ich wieder im Garten gelandet, glücklich und ganz bei mir in der Natur.
Und lese einen Text im neuen "Hygge"-Magazin, in dem es um Feldblumensträße geht.
"Und auch, wenn man den Mohn am liebsten mitnehmen möchte - lieber nicht: Seine zarte Seele fühlt sich draußen am wohlsten."
Meine wohl auch. Und mal sehen, welch Botschaft mir der Mohn noch beschert...