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Zwischenbilanz

Da ist es wieder: mein Lieblingswetter.
Morgens ist es dunstig und kalt, so kalt, dass diese Morgenkälte schon den nahenden Herbst spüren lässt. Die Wiesen sind feucht. Tautropfen hängen an Blüten und Gräsern. Und ab und an hört man den dumpfen Aufschlag eines fallenden Apfels auf der Wiese.
Dann steigt aus dem Morgendunst die Sonne empor.
Sie schiebt erst feine, dann immer breiter werdende Streifen wärmendes Licht in die verschlafende Nebelwelt. Noch sieht man den eigenen Hauch, doch bereits eine Stunde später ist der Sommer wieder da. Im Schatten hält sich die Kühle noch bis zum Mittag. 
Am Nachmittag laufen alle in T-Shirts umher. Die Sommerkleider werden noch einmal ausgeführt, die Kinder wollen ein Eis, im Schwimmbad ist es schon leerer, doch um so schöner jetzt im goldgelben Spätsommerlicht.
An den Abenden kann man noch draussen sitzen bis die Dunkelheit kommt, dann wird es fast schlagartig kalt.

In Wien habe solche Tage schmerzlich vermisst. An schönen Tagen ist es dort schön, an kalten Tagen kalt.
Es fehlte mir der Übergang.

Es ist mir, als könne ich in dieser Zeit gleichzeitig in zwei Jahreszeiten sein.
Im Herbst mit seinen Ernten, mit dem Bedürfnis nach Rückzug und der Sehnsucht nach einem warmen zu Hause.
Und mitten im Sommer mit all der Fülle, der Freude, der Leichtigkeit, den leichten Kleidern und nackten Füßen.

Jetzt ist die Zeit, es noch einmal wissen zu wollen: 
Wofür steht dieses Jahr? 
Was ist geschafft? 
Was ist noch möglich?

Im Garten säen wir die Wintersalate aus, Spinat, Feldsalat und noch einmal Radieschen.

In Projekten, in Veränderungsprozessen ist jetzt die Zeit, noch einmal zu justieren:
Was ist geschafft? Und in was muss man noch einmal intensivieren? 
Wie steht es um unsere Zwischenbilanz?

Wir stehen gerade dazwischen.
Von hier aus ist längst nicht mehr alles, doch noch vieles möglich.