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Leichter loslassen im Herbst

Herbst, Samhain, Hexenneujahr: die große Zeit des Loslassens. 
Loslassen - das klingt so einfach. Aber mal ehrlich: Wer von uns lässt gerne los? Wem fällt dies leicht?
Ist es nicht eher so, dass wir alle irgendwie an Dingen, Menschen, Glaubenssätzen, Annahmen, Orten, Träumen, Ideen ... hängen und Loslassen uns Angst macht?
Angst vor dem Ungewissen, Angst vorm Alleinsein, Angst vor der Dunkelheit, Angst vor dem Ende.
Dabei gilt unser Blick stets dem Verlust. Denn wir alle verlieren nicht gerne. 
Aber vielleicht ist Loslassen einfach nur den Blick, die Gedanken, unsere Ausrichtung zu ändern? Uns zu ermutigen, woanders hin zu schauen als bisher. "Richtet euch statt nach Außen nach Innen" könnte ich jetzt schreiben und seufze bei diesem abgegriffenen Satz. Geht das nicht besser zu (be)schreiben? Vielleicht. Denn vorgestern im Wald kam mir dieses schöne Bild des Loslassens in den Sinn:

Was machen Bäume im Herbst?
Sie bekommen weniger Licht. Und statt sich dagegen zu wehren und noch mehr und noch größere Blätter auszutreiben, um die gleiche Energie wie bisher produzieren zu können, akzeptieren sie schlicht die Tatsache, dass es so ist und wenden sich statt den Blättern ihren Wurzeln zu.
Bäume stoppen im Herbst die Zuckerzufuhr in die Blätter und schicken diese in ihre Wurzeln. Sie erkennen rechtzeitig die Zeichen der Zeit - kürzere und kältere Tage - und kehren ihren Energiefluss um.
Damit lassen die Bäume ihre Blätter los. Dies ist kein aktiver Vorgang. Es passiert. Weil sie sich nicht mehr auf ihre Blätter konzentrieren.
Das Blattgrün weicht und andere Farbpigmente, die bisher auch in den Blättern vorhanden waren, aber durch das Grün überdeckt wurden, können jetzt sichtbar werden. Die Blätter werden bunt. Nicht weil etwas oder jemand sie färbt, sondern weil durch den Rückzug des Blattgrüns andere Farben wie rot, orange und braun sichtbar werden. Das Wunder des bunten Herbstlaubes ist eigentlich die Folge eines Verlustes.
Geht uns das nicht auch so?
Wenn wir etwas wirklich loslassen, zeigt sich auf einmal etwas, was wir nicht für möglich hielten? Etwas, dass die ganze Zeit über auch da war, wir es aber nicht sehen konnten, weil unser Blick etwas anderem galt.

Auf wirkliches Loslassen folgt stets eine neue Lösung.
Vielleicht können wir neue Lösungen daher nicht finden, indem wir sie suchen? Das Loslassen kommt zuerst.

Wenn wir also mal wieder darüber nachgrübeln, was die Lösung sein kann, oder von was wir uns lösen müssen, um die Lösung zu finden, sollten wir vielleicht stattdessen schauen, was uns stärkt. 
Wie kann ich innehalten, akzeptieren was ist und aufhören, Kraftreserven zu verschwenden?
Was ist Nährendes vorhanden?
Wie lenke ich meine Energie dorthin (um)?
Und dann zeigt sich vielleicht, was losgelassen werden will, oder Es löst sich etwas ganz leicht.

Ein schönes warmes herbstlich buntes Wurzelgemüse-Gericht hilft vielleicht dabei.