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Licht ins Dunkel

Eben war ich mit dem Auto in ein Unwetter geraten. Von Süßenborn aus sieht man Weimar schon im Kessel ruhen, die dahinter sich aufrichtende Hügelkette liegt meist im Dunst oder Schatten. Doch heute tat sie dies nicht. Das Unwetter löste sich und ein gewaltiges Flutlicht scheinte ausgerichtet und wie von Scheinwerfern auf den Buchenwald-Turm. Gelb orange und blendend hell inmitten grauer Wolkentürme. Es schauderte mich. Der Begriff Mahnmal bekommt in solchen Momenten eine andere Dimemsion. Es ist so leicht zu vergessen, dass das Dunkel existiert.
Mit leisen Tränenin den Augen dachte ich: vielleicht ist es nur immer wieder wichtig, daran zu denken, dass beides da ist: Licht und Schatten. Mitfühlend Opfern und Tätern zu gedenken, ohne selbst deren Richter zu sein. Und auch in mir beide Anteile zu finden: den Großvater, der mit Tieren sprach und den Häftlingen aus dem Straßengraben heimlich Brot zu warf und den Großvater, der in voller Uniform auf einem Foto strahlend in die Kamera lächelt, in Vorfreude auf den Krieg. Wissend, dass in uns, in mir alles vorhanden ist: das, was Kreativität und Verbindung schafft wie auch jene Anteile, die trennen, Grenzen setzen, egoistisch sind. 
Vielleicht ist jetzt genau die richtige Zeit, zur Wintersonnenwende, rund um den 21. Dezember, auch das Dunkle in uns mit unserem Gedankenlicht zu erhellen? Uns aufrichtig der Dunkelheit in uns selbst zu stellen...? Ohne zu (ver)urteilen. Zunächst um einfach hin zu schauen, nach zu fragen, auszuhalten und annehmen zu könnten, dass wir menschlich sind und damit fehlerhaft.
Studien belegen, dass wir alle tief in unserem Innersten glauben, besser als "die Anderen" zu sein. Das Böse lagern wir gern aus. Immer sind es die Anderen gewesen, die missachten, manipulieren, lügen, ausbeuten, ausnutzen, hintergehen usf.
Doch was wäre, wenn wir erkennen könnten, dass es diese Anderen nicht gibt, wenn wir uns mit all unseren Anteilen in uns verbinden würden?
Seit Menschengedenken geschehen unverzeiliche Greueltaten auf dieser Welt. Wir möchten all dies nicht selbst gewesen sein. 
Doch wissen wir, wer wir aus Sicht der nächsten Generation sein werden? Mit all dem Plastikmüll und all der Handystrahlung, mit Massentierhaltung und Kleidung aus Polypropylen? Was können wir tun gegen Kriege und Armut und Not? Vielleicht wirklich nur klein anfangen. Und das Gutmensch-Sein-Wollen aufgeben. Denn: wer glaubt, besser als sein Gegenüber zu sein, ist schon im Irrtum. Denn "besser sein" ist bereits eine Wertung, die aus mir einen Menschen macht, der ausgrenzt, der gegen etwas ist, statt in Verbindung zu sein. Es ist eine heftige Übung, sie trifft uns in der Substanz, wenn wir uns vorstellen, dass wirklich alles, das uns begegnet, auch Teil von uns selbst sein muss, sonst könnten wir es nicht sehen. 
Ein kleines blaues Büchlein erinnert mich immer wieder daran, dass es möglich ist, zu heilen, wenn wir in Verbindung bleiben. "Ho'oponopono. Das hawaiianische Vergebungsritual." Ein schönes kleines immer wieder zu lesendes Buch, gerade jetzt in der Sonnenwend- und Weihnachtszeit. 
Und die Hinwendung zur Natur. Als ich zum ersten Mal die energetische Bedeutung der Buche las, dachte ich: das kann doch wohl nicht sein! Die Blütenessenz der Buche hilft "Wenn Sie Anderen gegenüber kritisch und intolerant eingestellt sind." 
Buche ist DIE Bachblüte für Toleranz. 
Wie geht das: ein Konzentrationslager in einem Buchenwald? Vielleicht, so denke ich, war es in diesem Wald auch möglich, unter all den verfolgten Nationen Einigkeit zu schaffen, oder Toleranz, die es möglich machte, die eine große Kraft des Ausgrenzens letztlich doch zu besiegen?

Wenn ich sehr mit mir im Selbstzweifel und Kampf bin, lehne ich mich im Wald an eine Buche. 
Sie ist auch der Baum, der unseren Buch(en)staben seinen Namen gab. Möge es immer tröstliche Gedanken und vor allem Worte geben in jeder dunklen Zeit!
 Eine besinnliche Sonnenwend-Zeit! Heißt das Licht im Dunkel willkommen! Und Frohe Weihnachten!