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Eine Ode an die stille Vorbereitung - und das Freudenfeuerwerk danach

Dieser „heurige“ Blitz-Frühling erinnert mich an eine der Schwimmstunden meiner Tochter. 

Einer der Jungen paddelte immer möglichst kraftsparend hinter den Mädels her. Er hatte sich eine Schwimmhilfe unter die Arme geklemmt und sah aus, als hielt er sich gerade so über Wasser und als könne er noch gar nicht schwimmen. Als es jedoch um das Seepferdchen ging und der Schwimmlehrer erläuterte, was dafür zu tun sei, warf er seine Schwimmhilfe in die Ecke, sprang mit einem sauberen Kopfsprung ins Wasser, schwamm wie ein Fisch die vier Bahnen und holte sich noch am gleichen Tag sein Seepferchen-Abzeichen.

Wir waren alle baff.

Offensichtlich hatte er im Stillen alles vorbereitet und sehr gut beobachtet. Er wusste, was zu tun war, ohne dass dies jemand von uns mitbekommen hatte.

 

So ähnlich empfinde ich den Start in dieses (Garten-)Jahr.

Zuerst schien es gar kein Frühling zu werden und jetzt scheint es innerhalb von zwei Wochen fast schon Sommer zu sein.

Es ist „maiengrün“ da draussen und die Osterglocken blühen zusammen mit den Apfelbäumen.

Ein Frühling im Schnelldurchlauf.

Einer, der zeigt, dass all das Grünen und Blühen schon da war, auch als wir es noch nicht sehen konnten.

 

Vielleicht zeigt uns dieser Frühling, wie schön es ist, manche Dinge in Ruhe und im Stillen gut vorzubereiten, erst dann ins Licht zu kommen, wenn die Zeit dafür reif ist?

 

 

Gerade hatte ich ein schönes Gespräch mit einer Freundin und ebenfalls Architektin. Darüber, dass es früher mindestens zwei Jahre gedauert hat, ein Haus zu bauen.

Darüber, dass es mal Mode war, erst (im Stillen) zu sparen und sich dann etwas zu leisten. Und dass es jetzt fast umgekehrt ist: zuerst wird etwas finanziert und dann das halbe Leben gebraucht, es wieder abzuzahlen.

 

Nun bin nich nicht gerade ein Vertreterin der "früher war alles besser"-Kultur. Aber vielleicht hat es manchmal, oder wieder öfter durchaus seine Berechtigung, langsam zu sein, abzuwarten, zu beobachten und erst dann etwas zu tun, oder sich zu zeigen.

 

Ende Oktober letzten Jahres habe ich zweihundert Tulpenzwiebeln in die feuchte dunkle Gartenerde gebuddelt. Ich weiß noch, dass es zu diesem Zeitpunkt ziemlich ungemütlich draussen war.

Und dass ich mich an diese immer mal im Stillen erinnerte, wenn ich im Winter im Garten war. 

Ich fragte mich, wie viele es wohl schaffen werden? Oder hatten die Wühlmäuse sie bereits gefressen?

 

In dieser Woche blühte mein ganzer Garten. Ich habe sie nicht gezählt, aber es müssen tatsächlich so an die zweihundert Tulpen gewesen sein.

Was für eine Freude!

Auch Tulpenzwiebeln kann man vorgetrieben kaufen und im Frühjahr einsetzen, kurz bevor sie blühen.

Aber ist dies dann das gleiche Erlebnis?

 

 Für mich ist dieser Frühling eine Ode an die stille Vorbereitung und das Freudenfeuerwerk danach.