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Hingabe an die Hitze

Wie der Bauer, der hinaus ging und an den Halmen zog, um dem Korn beim wachsen zu helfen - so  sind wir, wenn wir uns in dieser sonnigsten aller Jahreszeiten abmühen und  schuften. Es nützt einfach nicht viel.

Projekte kann man in der Sommerzeit kaum schieben. Wer jetzt versucht, etwas schnell zu erreichen, stößt auf reichlich Widerstand. Urlaubszeit. Längste Bearbeitungszeiten für fast alles. Ruhezeiten, sogar beim Bäcker um die Ecke.

 

Hochsommer! Gesät und gepflanzt haben wir für dieses Jahr. Jetzt heißt es: geduldig sein. Gießen, jäten, warten. Und vor allem: zusammen sein und feiern! Die langen Abende und lauen Nächte. Die Hitze und das Lagerfeuer. Statt über das heiße Wetter zu stöhnen, können wir uns diesem hingeben und verbrennen lassen, was verbrannt werden muss. Sind es alte Gedanken? Verhaltensmuster?...

Auch wenn wir es wollen würden, wir können jetzt nicht viel tun. Manchmal ist das reichlich schwer. Und doch: der Sommer ist nur kurz. Genießen wir ihn, denn wir können jetzt viel tanken: Sonnenlicht und gute Energie, Lebensfreude, Erinnerungen, Bilder, Farben, Düfte. Wie Frederick, die Maus im gleichnamigen Kinderbuch von Leo Lionni.

Denn auch von diesen Vorräten werden wir im kalten Winter zehren.

 

Im Garten trockne ich gerade Kornblumen und die letzen Rosenblütenblätter, Ringelblumen und Kräuter. Dafür ist die Sommerhitze wunderbar! Es entstehen herrlich farbenfrohe Kräuter-Blütentees. Wenn ich im Winter eine dieser Teedosen öffne, schließe ich für einen Augenblick die Augen und atme ein. Dann bin ich dort, wo wir jetzt sind: im Hochsommer. Dann verfliegt jede Erkältung drei Mal so schnell, weil ich weiß: auch der längste Winter geht einmal vorbei und der nächste Sommer kommt bestimmt.