· 

Ermächtigung zu mehr Kreativität, oder: Was wir aus Dürre-Zeiten lernen können

Blumen sind kaum gewachsen in diesem trockenen Jahr- dafür Kräuter. Auch eine Form, kreativ zu werden: statt Blumensträußen gibt es heuer Kräutersträuße.
Blumen sind kaum gewachsen in diesem trockenen Jahr- dafür Kräuter. Auch eine Form, kreativ zu werden: statt Blumensträußen gibt es heuer Kräutersträuße.

Dürre, Hitze, Ernteeinbußen: das war ein Sommer!

Und ich denke nach: über den Verlust von allgemein gültigen Konzepten, über eine veränderte Welt, in der es immer weniger gibt, dass man halt so macht - und über Kreativität. Denn: Wenn sich die Bedingungen ändern, hilft es nichts, so weiter zu machen, wie bisher. Das gilt im Kleingarten genau so, wie in der Landwirtschaft, in Unternehmen - und in der Liebe.

Es ist Frühherbst. Vielerorts sind die Felder bereits abgeerntet, sofern es eine Ernte gab. Die Bauern rufen nach Entschädigung. Politisch wird entschieden wie viel und für wen. Doch ist das generell und für die Zukunft der richtige/der einzige Weg?

Was, wenn dieser Sommer kein Ausnahmejahr war?

Was, wenn die Ausnahmen jetzt zur Norm werden würden?

Was, wenn solche Jahre nicht nur eine Krise sind , sondern, wie jede Krise, auch eine Chance?

Was, wenn es der falsche Weg wäre, das, was wir als Konzepte haben und kennen, mit allen Mitteln und aller Unterstützung am Funktionieren zu halten?

Was, wenn dieses Funktionieren in der Zukunft so gar nicht mehr möglich sein wird?

 

Was wäre, wenn statt dessen alle Unterstützung immer darauf zielte, neue kreative Konzepte zu entwickeln, die in der Zukunft auch mit sich verändernden Bedingungen (besser) klar kommen können?

 

Im Moment muss man vielleicht zunächst retten, was zu retten ist. Doch ist finanzielle Entschädigung allein ein Zukunft weisender Weg?

Ist „retten“ prinzipiell eine wirkliche Unterstützung?

*

Wir waren / wir sind dies alle so gewohnt.

Eltern fangen (normalerweise) ihre Kinder auf, wenn diese Mist gebaut haben.

Unternehmer haften für ihre Mitarbeiter.

Ehepaare fangen sich gegenseitig und sind im Notfall füreinander da.

 

An sich ist das ein tolles So-Sein.

Doch:

Irgendwann muss man als Eltern anfangen, seine Kinder zu ermächtigen, auf eigenen Füßen zu stehen. Wenn Sie Mist gebaut haben, gibt es da zwei Möglichkeiten: Sie zu bestrafen - oder: sie - mit elterlicher Unterstützung - selbst herausfinden zu lassen, was sie jetzt Gutes tun könnten - und was sie selbst tun können, um in Zukunft in der gleichen Situation anders zu handeln.

Das kenne ich mit meiner Tochter schon aus dem Kindergarten.

Und wenn Kindern etwas Unerwartetes passiert, zum Beispiel wenn sie hinfallen, wenn sie sich erkältet haben, weil sie in einen kühlen Bach gefallen sind, wenn sie von anderen geärgert werden … machen die meisten Eltern automatisch das Gleiche: statt sie (nur) zu retten, wissen wir, dass es immer hilft, seine Kinder erst mal aufrichtig zu trösten und dann gemeinsam zu schauen, was sie in Zukunft stärken kann, solche Situationen besser zu meistern.

Oft bin ich erstaunt, wie kreativ Kinder selbst darin sind, zu wissen, was sie stärkt - und was sie aus einer Erfahrung lernen können.

*

Als Erwachsene ist uns oft nicht bewusst, dass wir uns in ähnlichen Situationen wiederfinden - und die Gleichen Handlungsweisen für die Zukunft mehr bewirken könnten, als die, die wir automatisch tun.

 

Führungskräfte „strafen“ und „retten“ noch immer zum Teil ihre Mitarbeiter.
Mitarbeiter hoffen noch immer zum Teil auf „Rettung“, oder sogar „Strafe“, wenn ihnen Unerwartetes oder Fehlerhaftes geschieht.
Die Landwirte rufen nach Entschädigung. 
Und es ist oft kaum mit anzusehen, wie sich Paare gegenseitig „strafen“, oder versuchen einander Retter/in und/oder Beschützer/in zu sein.

 

Sollten wir stattdessen nicht alle in Zukunft mehr Ermächtiger/in sein???

 

Was wäre wenn jede Unterstützung immer aus zwei Teilen bestünde, deren zweiter Teil immer aus Ermächtigung zu Kreativität bestünde???

 

Wenn jemand „Mist gebaut“ hat:

1.) Konsequenzen spüren lassen  / Grenzen setzen- und danach:

2.) Kreativität fördern. Fragen stellen - z.B.: 

Was kann jetzt (Gutes) getan werden?

Was ist eine sichtbare Handlung, die aus der Konsequenz resultiert?

Was braucht es, um in Zukunft solche Situationen zu vermeiden / anders zu handeln?

Welche Umstellungen sind möglich/nötig …?

Wie gelingt Ermächtigung statt Ohnmacht???

*

Wenn etwas Unerwartetes geschieht:

1.) Erst einmal „trösten“ und unterstützen - und dann:

2.) Kreativität fördern. Fragen stellen - z.B.: 

Was braucht es (Was braucht ihr?), um in Zukunft für solche Situationen besser gewappnet zu sein?

Welche Konzepte gibt es bereits, welche individuellen Lösungen - je nach Standort - sind möglich/denkbar, um (z.B. einer Dürre, oder Hochwasser, oder oder…) besser zu begegnen?

Welche Umstellungen sind möglich/nötig …?

Wie gelingt Ermächtigung statt Ohnmacht???

***

Das Erstaunliche: Wenn niemand führt und es keinen „da oben“ gibt, keine Eltern, keinen Chef, keine staatliche Institution, die uns „retten“ oder „strafen“ könnte, sind wir alle oft viel schneller in unserer (natürlichen) kreativen Energie.

 

Im Garten denke ich - zwangsläufig nach diesem trockenen Jahr - mit meiner Nachbarin gemeinsam über neue Wassernutzungskonzepte nach. Wie können wir das anfallende Regenwasser besser und länger speichern? Wie können wir es gut und sparsam(er) verwenden? Was tun wir, wenn das umgekehrte der Fall wäre: Viel zu viel Wasser? Wie können unsere Gärten erblühen und Erträge bringen auch in extremeren Zeiten?

Dabei fallen uns zwei Dinge besonders auf:

  • Gemeinsam kreativ über uns hinaus zu wachsen ist ein erfüllendes Gefühl.
  • Neue Lösungen zu finden, ermutigt für die Zukunft.
  • Sich nicht nach jemand anderem umzuschauen, der jetzt „retten“ könnte, sondern selbst - und in Gemeinschaft - aktiv zu werden, fühlt sich kraftvoll an und sehr lebendig.