Aufgeräumt: Jetzt ist Zeit für Struktur!

Die Lärche vor meinem Fenster trägt noch goldene Nadeln. Bald werden auch diese abgefallen sein. Es zeigt sich wieder die Struktur: von Bäumen, Sträuchern, Landschaften. Durchblicke werden möglich, Grenzen offener. Wo im Sommer dichte Hecken den Blick verwehrten, sehen wir jetzt zu unseren Nachbarn herüber, oder in fremde Gärten hinein. Ein letztes Aufräumen ist angesagt: Laub harken, Gartenmöbel hinein holen, das "Einwintern" von letzten Dahlienknollen, Kübelpflanzen und Co.

Das Leben findet wieder Drinnen statt. Ich möchte wetten: Dies ist die Zeit, in der Möbelhäuser ihre größten Umsätze machen. Denn: Wir wollen es Drinnen schön; gemütlich, heimelig - und ordentlich.

Bevor die Vorweihnachtszeit beginnt - und noch vor dem Aufhängen des Weihnachtsschmucks, werden daher vielerorts Häuser und Wohnungen geputzt. Selbst vor Kammern und Kellern macht dieser Aufräumwahn keinen Halt: Kleiderschränke, Abstellkammern, Küchenkästen und Speisekammern werden duschsortiert und durchgeputzt. Als ich ein Kind war, fand ich dies eine ziemlich nervige Zeit. Denn: Nichts konnte bleiben, wie es war. Der Putz-Wirbelwind meiner Mutter fegte durch jede Ecke und stellte auch uns Kinder mit an. Kein "Bastelfach", keine Bücherregal, kein Bettkasten blieb verschont. Das ganze Kinderzimmer räumten wir gemeinsam auf. Doch hinterher - und so geht es mir noch immer - fühlt es sich mehr zu Hause an als in jeder anderen Zeit des Jahres. Alles riecht gut. Man weiß wieder, was man besitzt - und hat etliche Schätze (wieder)gefunden: das goldene Bastelpapier vom letzten Jahr, Fotos, Postkarten, vergessene Bücher... Alles ist entstaubt und entmüllt. Und was nicht mehr passt, oder gefällt, kommt in die Flohmarkt-Kiste, oder wird zur Tafel gefahren und gespendet. Ein rundum gutes Gefühl! Und hinterher gibt es gemeinsam Kakao in der blankgeputzten Küche.  Und wenn wir jetzt draussen sind und dann nach Hause zurück kommen, fühlen wir uns rundum wohl und beschützt.

 

In Projekten, in Unternehmungen - und für den eigenen Körper  - ist dieses Aufräumen ebenfalls, wie ich finde, ein gutes Bild.

Um das Jahr gut abschliessen zu können, um zu spüren, was alles getan wurde, um verstehen zu können, was die Erkenntnisse dieses (Arbeits-) Jahres sind, um die "verstaubten" Ecken zu finden - und die Schätze, die wir fast vergessen hatten  - können wir in all unseren Lebens-Bereichen den Putz-November nutzen. So können wir jetzt z.B. besonders gut:

  • Projekte auswerten und betrachten, abschliessen, oder ihnen noch einen Schub verpassen
  • Ordner sortieren, Akten vernichten, oder archivieren
  • Digital und analog unsere Arbeitsmittel durchsortieren und Struktur schaffen/verbessern
  • Finanzen durchsehen
  • Körperliche Winter-Rhythmen und Rituale einführen - z.B. regelmäßig meditieren, zum Tanzkurs anmelden, (Winter-) Trainings beginnen...

...und uns Räume und Rituale um uns herum erschaffen, die es uns ermöglichen, auf eine gemütliche, energiesparende Art gut durch den Winter zu kommen. In diesem Zustand können wir vielleicht dann erst so richtig mit dem Wünschen anfangen. Denn die Vorweihnachtszeit hat ja auch immer etwas mit Wünschen zu tun. Vielleicht gilt hier der Grundsatz: Nur wer weiß, was er/sie hat, weiß auch, was noch fehlt. Oder umgekehrt: Wer glaubt, dass etwas fehlt, sollte aufräumen und schauen, was er/sie hat.

 Vielleicht entpuppt sich mancher Wunsch dann schon als erfüllt - und für andere ist endlich Raum!